An wen sollen sich diese Tarife richten?
Montag, April 12th, 2010Ich verstehe die Kalkulation von T-Mobile nicht so wirklich. Es gibt natürlich viele Leute, die tatsächlich um die 100 Minuten im Monat telefonieren. Aber die würden bei einem Discounter dafür 10 Euro zahlen und für die 40 SMS nochmal 4 EUR, also insgesamt 14 EUR. Macht 35 EUR für 200 MB - das sind keine konkurrenzfähigen Preise. Vor allem aber zahle ich bei den Diskontieren nur soviel, wie ich auch tatsächlich in Anspruch nehme. Bei diesen “Paketangeboten” gilt hingegen: Liegt der Kunde unter dem Freikontingent, zahlt er trotzdem den vollen Betrag. Liegt er darüber, zahlt er mehr. Das ist alles andere als fair. Denn wer im Durchschnitt 100 Minuten und 40 SMS vertelefoniert, der zahlt bei den Billigprovidern _genau_ 14 EUR im Durchschnitt pro Monat (bei Preisen von 10 Cent pro Minute und SMS). Bei dem “Paketangebot” von T-Mobile wird der Monatsdurchschnitt aber auf jeden Fall darüber liegen. Wer nur geringfügig über dem Freikontingent liegt, zahlt horrende Minutenpreise. Wer darunter liegt, verschenkt Minuten. Für die Frei-SMS gilt das gleiche. Der Kunde hat gar keine andere Wahl, als entweder mehr zu bezahlen, als er braucht, oder mehr zu brauchen, als er im Voraus bezahlt hat. Tarife mit Mindestumsatz lohnen sich deshalb nur, wenn man ein extrem gleichmäßiges Telefoneierverhalten hat liegt, wo das Freikontingent aufhört. Auf die meisten Menschen trifft das aber nicht zu: Drei Wochen in Urlaub? Pech gehabt, 50 EUR werden trotzdem mindestens abgebucht. Denn die Roamingminuten im Ausland sind natürlich nicht inklusive, ganz im Gegenteil. Gute “tarife” im Bereich Outdoorbekleidung findest du am besten hier.
Neue Freundin kennen gelernt und auf einmal sind es doppelt so viele Minuten wie vorher? Zu schade, dass man aus dem Vertrag nicht herauskommt, dann heißt es wohl bis dahin zahlen, zahlen, zahlen, oder die Freundin überreden, anzurufen. Wenn alle Deutschen ihr zurückliegendes Telefoneierverhalten statistisch analysieren und auf dieser Grundlage eine Tarifentscheidung treffen würden, gäbe es die “Paketangebote” nicht mehr, weil sie sich für kaum jemanden rechnen, ausgenommen vielleicht extreme Vieltelefoniberer, aber die greifen besser zu einer Flatrate. Die Mobilfunkmanager leben davon, dass das kaum jemand tut, und dass sie - im Gegensatz zu anscheinend vielen ihrer Kunden - mit einer Tabellenkalkulation umgehen können. Niemand, der morgens seine Brötchen immer beim gleichen Bäcker kauft, käme auf die Idee, stattdessen einen Tarif zu akzeptieren, bei dem man sich dem Bäcker gegenüber verpflichtet, eine Mindestmenge an Brötchen abzunehmen, trotzdem mehr pro Brötchen zahlt als beim Einzelkauf, bei Überschreiten der Mindestmenge jedes Brötchen darüber hinaus zum doppelten Preis kaufen muss, und schließlich das Ganze nicht mal vor Ablauf einer 2-Jahres-Frist abbestellen kann, wenn man den Wohnort wechselt, keine Lust mehr auf Brötchen hat oder im Urlaub ist. Warum das gleiche dann beim Mobilfunk funktioniert, ist
mir ein Rätsel. Wer heute noch einen 2-Jahres-Vertrag unterschreibt für ein gelocktes Mobiltelefon, das trotzdem 400 EUR kostet, der handelt höchstwahrscheinlich irrational. Für - über die zwei Jahre gerechnet - nicht mehr Geld bekommt man bei anderen Anbietern bereits eine Mobilfunk-Flatrate. Wollen wir doch sehen, wievielte Opfer T-Mobile finden wird.